“23-F” - der Putsch in Spanien vor 30 Jahren

Es ist der 23. Februar 1981. Jemand brüllt: „Alle zu Boden!“ Dann schießt jemand. Als die Feuersalve nach zehn Sekunden verstummt, sind alle Abgeordneten unter ihren Sitzen verschwunden. Mit Ausnahme von drei Männern: dem Kommunistenchef Santiago Carrillo, dem Vizeregierungschef, General Manuel Gutiérrez Mellado, und dem Regierungschef Adolfo Suárez. Oberstleutnant Antonio Tejero hat mit rund 200 Polizisten das spanische Parlament gestürmt, hält die Abgeordneten einen Abend und eine Nacht als Geiseln und wartet auf „eine zuständige militärische Autorität“, die den Putsch vollenden soll. König Juan Carlos macht dem Spuk mit einer Fernsehansprache nach Mitternacht, in der er seine Treue zur demokratischen Verfassung bekundet, ein Ende.

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Sanchos Esel

Anatomie eines Augenblicks

Leider kann ich an dieser Stelle nicht die Geschichte der erwogenen, geplanten, sogar angefangenen Blogeinträge erzählen, denn es liegt nun einmal in der Natur der Sache, dass der Blog - so spontan und leicht er in der äußeren Form auch daherkommen mag - nur zu Ende geschriebene Texte erträgt. Zumindest dieser Blog; der Blog, wie ich ihn verstehe. Heute allerdings tritt der umgekehrte Fall ein: Ich lasse alle erwogenen, geplanten, sogar angefangenen Blogeinträge links liegen und widme mich dem 23-F. Ein hübsches Kürzel, nicht wahr? Auf deutsch müsste man sagen: dem Putsch des 23. Februar 1981, dessen dreißigster Jahrestag heute ist. Manche würden sogar noch differenzieren und nicht vom Putsch, sondern vom „Putschversuch" reden.

Sanchos Esel
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Anatomie eines Augenblicks

23. Februar 2011, 16:00 Uhr

Leider kann ich an dieser Stelle nicht die Geschichte der erwogenen, geplanten, sogar angefangenen Blogeinträge erzählen, denn es liegt nun einmal in der Natur der Sache, dass der Blog - so spontan und leicht er in der äußeren Form auch daherkommen mag - nur zu Ende geschriebene Texte erträgt. Zumindest dieser Blog; der Blog, wie ich ihn verstehe. Heute allerdings tritt der umgekehrte Fall ein: Ich lasse alle erwogenen, geplanten, sogar angefangenen Blogeinträge links liegen und widme mich dem 23-F. Ein hübsches Kürzel, nicht wahr? Auf deutsch müsste man sagen: dem Putsch des 23. Februar 1981, dessen dreißigster Jahrestag heute ist. Manche würden sogar noch differenzieren und nicht vom Putsch, sondern vom „Putschversuch" reden.

Nun, es war natürlich beides, ein Putsch und ein Putschversuch. Er hat nur nicht sehr lange gedauert, nämlich etwas mehr als achtzehn Stunden. Heute erinnert die Zeitung ABC auf der dritten Seite an den ehemaligen Vizepräsidenten unter Adolfo Suárez, General Gutiérrez Mellado. Das ist der Mann, der sich - so wenig wie Suárez und Santiago Carrillo - von den Putschisten nicht gängeln ließ und die unter Waffengefuchtel gegebenen Kommandos im Plenarsaal des Parlaments einfach ignorierte, ja der Gefahr lief, sich mit einem Uniformierten der Guardia Civil zu prügeln. Der Gastautor des ABC-Kommentars, Eduardo Serra, der ehemalige Verteidigungsminister unter Aznar und Mitarbeiter des Generals in der Stiftung gegen Drogenabhängigkeit (FAD), feiert Gutiérrez Mellado als „Symbol legitimer Macht", und er tut es seinerseits als Politiker, der sich damals vor dreißig Jahren genauso unter die Bänke warf wie alle anderen, den Parlamentssekretär eingeschlossen. Nur eben Suárez, Carrillo und Gutiérrez Mellado duckten sich nicht. 

„Bis auf eine Handvoll entschlossener Menschen, die ihre Bereitschaft zu erkennen gaben, für die Verteidigung der Demokratie ihre Haut zu riskieren, zog sich das gesamte Land zwischen die eigenen vier Wände zurück, um abzuwarten, ob der Putsch scheiterte. Oder Erfolg hatte." Das ist nicht gehässig, sondern eine ziemlich genaue Bewertung dessen, was geschah. Deshalb ist den Zeitungskommentaren von heute auch durchaus Erleichterung anzuhören. Wir haben Glück gehabt, sagen sie, es hätte auch anders ausgehen können. Am 23. Februar 1981 wurde ein Gespenst vertrieben, das wohl nicht wiederkommt.
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