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Anatomie eines Augenblicks
23. Februar 2011, 16:00
Uhr
Leider kann ich an dieser Stelle nicht die Geschichte der erwogenen, geplanten, sogar angefangenen Blogeinträge erzählen, denn es liegt nun einmal in der Natur der Sache, dass der Blog - so spontan und leicht er in der äußeren Form auch daherkommen mag - nur zu Ende geschriebene Texte erträgt. Zumindest dieser Blog; der Blog, wie ich ihn verstehe. Heute allerdings tritt der umgekehrte Fall ein: Ich lasse alle erwogenen, geplanten, sogar angefangenen Blogeinträge links liegen und widme mich dem 23-F. Ein hübsches Kürzel, nicht wahr? Auf deutsch müsste man sagen: dem Putsch des 23. Februar 1981, dessen dreißigster Jahrestag heute ist. Manche würden sogar noch differenzieren und nicht vom Putsch, sondern vom „Putschversuch" reden.

Nun, es war natürlich beides, ein Putsch und ein Putschversuch. Er hat nur nicht sehr lange gedauert, nämlich etwas mehr als achtzehn Stunden. Heute erinnert die Zeitung
ABC auf der dritten Seite an den ehemaligen Vizepräsidenten unter Adolfo Suárez, General Gutiérrez Mellado. Das ist der Mann, der sich - so wenig wie Suárez und Santiago Carrillo - von den Putschisten nicht gängeln ließ und die unter Waffengefuchtel gegebenen Kommandos im Plenarsaal des Parlaments einfach ignorierte, ja der Gefahr lief, sich mit einem Uniformierten der Guardia Civil zu prügeln. Der Gastautor des
ABC-Kommentars, Eduardo Serra, der ehemalige Verteidigungsminister unter Aznar und Mitarbeiter des Generals in der Stiftung gegen Drogenabhängigkeit (FAD), feiert Gutiérrez Mellado als „Symbol legitimer Macht", und er tut es seinerseits als Politiker, der sich damals vor dreißig Jahren genauso unter die Bänke warf wie alle anderen, den Parlamentssekretär eingeschlossen. Nur eben Suárez, Carrillo und Gutiérrez Mellado duckten sich nicht.